Auf den Social-Media-Kanälen, vor allem auf Facebook, entbrennt gerne die Diskussion, ob Legastheniker schreiben sollten, ob sie überhaupt schreiben »dürfen« oder ob es besser wäre, wenn sie auf keinen Fall Autor werden.
Ich halte nicht das Geringste von derartigen Wortgefechten, denn ich bin der festen Überzeugung, dass diese Schwäche absolut gar nichts mit der Gabe des Geschichtenerzählens zu tun hat. Die Note 1 im Diktat ist lange kein Garant, dass die Person in der Lage ist eine Story zu Papier zu bringen, die unterhält, spannend ist, bewegt, berührt oder irgendwas beinhaltet, was eine gute Geschichten ausmacht.

Ich warf heute einen Blick auf meine Schulzeugnisse und musste schmunzeln, als ich die Dreien und Vieren sah. Wie zum Teufel ist es mir gelungen in der Abiturprüfung Deutsch mit 13 Punkten zu bestehen … ein Rätsel.
Noch heute klingt mir die Stimme meiner Mutter im Ohr, wenn ich in der Grundschule mal wieder mit einer 3 oder einer 4 im Diktat nach Hause kam: »Was sind denn das für Fehler? Ihr dürft das Diktat doch am Ende noch mal lesen. Ach Kind, du musst dich da besser konzentrieren.« Puh. Das hat mir lange Zeit den Spaß am Schreiben geraubt.

Jetzt leide ich nicht an einer Legasthenie, aber meine Rechtschreibung lässt manchmal zu wünschen übrig und ja, mein Gehirn ist ein absoluter Meister im Überblenden von fehlerhaft geschrieben Worten. Ich schwöre, dass es die ersten drei Mal korrekt im Text gestanden hat und dann, plötzlich, beim dritten Mal, ist es falsch – sehr mysteriös.
Wie gut, dass es für solche Fälle professionelle Lektoren und Korrektoren gibt. Wobei das nicht sicher stellt, dass ein Roman fehlerfrei ist, denn sogar ich habe in dem ein oder anderen Stephen King schon Fehler gesehen.

 

Verlag vs. Selfpublishing

Verlegt man sein Buch über einen professionellen Verlag, dann hat man, je nach Größe, ein mehr oder weniger umfangreiches Team, welches sich darum kümmert, dass Bücher marktreif werden. Die Romane durchlaufen in der Regel zwei Mal das Lektorat und bis zu drei Mal das Korrektorat. Es gibt Profis für die Covergestaltung und Fachleute für die Titel und Klappentexte. Jeder von ihnen schöpft aus einem großen Erfahrungsschatz und sie wissen, welcher Buchtitel, welches Cover gut bei den Lesern ankommt.
Bei uns Selfpublishern ist es etwas anders. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Gründe sind hier vielfältig, das Buch alleine auf den Markt zu bringen. Wir können aus einem Pool von Coverdesignern, Lektoren und Korrektoren (viele bieten auch beides an) schöpfen. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken – wir gehen in Vorleistung. Schreibt man ein Buch mit 330 Seiten, dann kommt man auf fast 400 Normseiten. Für ein professionelles Lektorat liegt man zwischen 4,50 € und 7,50 €, bei einem Korrektorat ungefähr zwischen 2,50 € und 4,00 € pro Normseite. Da kann sich jeder ausrechnen, dass man schnell bei einigen tausend Euro ist. Im Vergleich: Die Tantieme liegen pro Buch ca. zwischen 1,00 € und 2,00 €, je nach Preis und Art des Buches. Da muss eine alte Frau lange stricken, um die Kosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften.

 

Die Sorgen vor der Veröffentlichung

Als ich im November 2019 meinen Roman »Dorf ohne Gewissen« auf den Markt brachte, hatte ich in ein Lektorat investiert. Trotz allem hatte ich Sorge, es könnten sich Fehler in dem Buch befinden, denn wir alle, auch der Lektor bzw. Korrektor, sind nur Menschen. Nach mehrfacher Korrektur, Lektorat und erneuter Korrektur lud ich die E-Book-Vorlage bei Amazon hoch und bekam die Meldung 504 Fehler. Im ersten Moment glaubte ich, der Herzinfarkt war nur einen Klick entfernt. So heiß war mir das letzte Mal, als ich Anfang zwanzig eine Vorladung zum Gericht bekam. Nachdem der erste Schock verdaut war, scrollte ich durch die Liste und stellte erleichtert fest, dass die Fehlermeldungen, bis auf eine Hand voll, unsinnig waren. Erleichterung machte sich breit – für gut eine Minute. Dann kam die Frage hoch, warum verdammt, noch immer Fehler in diesem Roman waren!
Ich zog zwei Möglichkeiten in Betracht. Mängel beheben und sich ein Herz fassen, um das Buch endlich raus zu bringen oder die Veröffentlichung rückgängig machen und so lange korrigieren, bis jedes Wort korrekt war. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die ihren Roman nie veröffentlichen, weil er in ihren Augen nicht perfekt ist. Also entschied ich mich für Lösung eins, korrigierte zum wiederholten Mal, veröffentlichte und erhielt von meinen Lesern die Rückmeldung, dass es ein paar Schnitzer gibt. So what! Ich kann damit leben und ich hoffe ihr auch.

Wenn sich jemand bei mir meldet und mitteilt, dass es auf der Seite x einen Fehler y gibt, dann eliminiere ich diesen umgehend. Wenn du etwas Verbesserungswürdiges findest, so kannst du dich hier bei mir melden oder mir eine Nachricht über Facebook senden, ich bin für jede Rückmeldung dankbar. Ebenso danke ich jedem, der sich die Mühe macht eine Rezension für mich zu schreiben.

 

Mein Fazit

Ich bin keine Verlagsautorin mit einer riesigen Maschinerie im Hintergrund, wie bei Fitzek oder King. Ich mache Fehler, na und? Ich will Geschichten erzählen und keinen Rekord auf stellen im 460.000 korrekt geschriebener Worte. Ich habe nicht mehrere tausend Euro, mit denen ich problemlos in Vorkasse gehen kann. Das ändert sich, wenn viele, viele Menschen meine Bücher kaufen, aber momentan ist es, wie es ist. Es hält mich nicht ab, weiterhin meine Geschichten zu veröffentlichen, denn das Feedback zur Story ist durchweg positiv und das Schreiben macht mir unendlich Spaß. Ich zeige dem Fehlerteufel den Stinkefinger und danke jedem von Herzen, der sich die Mühe macht, konstruktive Kritik zu üben.

PS: Wer in diesem Beitrag einen Fehler findet, darf ihn behalten. 😉